Yoga und Demenz

Yogakurs für Angehörige von Menschen mit Demenz in Schwerin mit Elfi Kettig

Pflegende Angehörige oder BegleiterInnen von Menschen mit Demenz kommen oft selbst an den Rand der Belastbarkeit. Das Angebot von Yoga für alle e.V., entwickelt von Elfi Kettig, Yogalehrerin BDY und Meditationslehrerin in Schwerin, wird seit September 2017 im Augustenstift, einer Einrichtung des Demenzzentrums Schwerins, umgesetzt.

Ute Greve, Leitung Zentrum Demenz Schwerin, sagt: Die Zahl der Menschen mit Demenz ist groß. Durch die steigende Lebenserwartung und dem damit verbundenen Risiko eine Demenz zu entwickeln, wird diese Zahl in den kommenden Jahren weiter steigen. Nach wie vor werden ca. 2/3 der Menschen mit Demenz in der Häuslichkeit durch Angehörige und Freunde betreut, begleitet und gepflegt. Damit verbunden sind extreme Herausforderungen für die Angehörigen. Sie sind häufig 24 Stunden am Tag zuständig. Diese Belastung können sie nur meistern, wenn sie konsequent auf eigenes Wohlbefinden und die eigene Gesundheit achten.

Das Angebot „Yoga für Angehörige von Menschen mit Demenz“ ist dazu ein Beitrag. Angehörige sorgen dafür, diese Zeit für sich zu haben. Sie treffen außerdem Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie sie selbst machen bei der Begleitung ihres Angehörigen. Und: sie lernen eine Methode der Entspannung, die sie auch in ihren Alltag integrieren können.

Das Zentrum Demenz dankt der Initiative „Yoga für alle“ für die Unterstützung!

Yoga für alle e.V. dankt Elfi Kettig für ihre Initiative und dem Zentrum Demenz für seine Offenheit.

 


Yogalehrerin Elfi Kettig zu ihrem Kurs im Zentrum Demenz:
„Im Grunde genommen sind auch die pflegenden Angehörigen Yogateilnehmerinnen mit unterschiedlichen körperlichen, gesundheitlichen, geistigen und emotionalen Voraussetzungen und Bedürfnissen.

Am Beginn jeder Yogaeinheit erachte ich es als noch wichtiger als im “normalen” Yogaunterricht, ein Ankommen zu ermöglichen (körperlich, geistig). Oftmals gibt es schon am Morgen vor dem Yogaunterricht belastende Situationen mit den dementen Angehörigen. Deshalb führe ich am Anfang jeder Yogastunde eine gleichbleibende Übungsfolge durch, die Körper, Atem und Geist einbezieht.

Obwohl es immer der gleiche Ablauf ist, muss ich jede Runde erneut anleiten. Es zeigt sich hier, dass die Konzentrationsfähigkeit meiner Teilnehmerinnen durch die schwierigen Herausforderungen des Alltags sehr beeinträchtigt ist.

Auch in körperlicher Hinsicht muss bei den Yoga-Übungen vieles berücksichtigt werden. Ich meine nicht nur die altersbedingten Erkrankungen, die sinnvoll in die Übungen einbezogen werden, sondern vor allem extreme körperliche Vespannungen, die durch sanftes Üben etwas gelöst werden können.

Ein Mutmachen ist sehr hilfreich, körperliche und emotionale Beeinträchtigungen zu akzeptieren, anzunehmen und Erleichterung durch Körper-, Atem- und geistige Übungen zu ermöglichen.

Auf körperlicher Ebene bemühe ich mich, einerseits Vespannungen zu lösen und andererseits auch Kraft aufzubauen, die meine Teilnehmerinnen dringend für die Bewältigung ihres Alltags benötigen.

Es hat sich auch als sehr hilfreich erwiesen, kleine Achtsamkeitsübungen (Körper, Atem) sowie kurze Meditationen einzuüben, die die Teilnehmerinnen gut in ihren Alltag integrieren können bzw. in Konfliktsituationen anwenden können, was auch den dementen Angehörigen zugutekommt.

Für meine Teilnehmerinnen ist die Yogastunde eine Zeit, die sie nur mit sich verbringen, in der sie Ruhe und Stärkung erfahren. Das erkennt man deutlich an den klaren, entspannten Gesichtern am Schluss der Stunde.

Auch wenn mitunter manchmal Tränen fließen, ist das völlig in Ordnung.

Das Beisammensein bei einer Tasse Tee zum Abschluss ist eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen. Es geht in diesen Gesprächen nicht nur um Demenzprobleme, sonders oftmals um die eigene Befindlichkeit, um Wünsche, Träume und auch glückliche Momente.